Zugangserschwerungsgesetz II

Im nationalen und internationalen Briefverkehr werden tagtäglich schwerste Straftaten begangen. Von der Verbreitung übelster Kinderpornographie reicht die Spanne bis zur Verabredung und Durchführung terroristischer Taten. (Briefbomben!) Es ist nicht länger hinnehmbar, dass der Briefverkehr rechtsfreier Raum ist. Es ist nicht länger hinnehmbar, dass Absender, also Täter, völlig anonym bleiben können. Es ist nicht länger hinnehmbar, dass Konsumenten, also Mittäter, illegale Briefsendungen unkontrolliert empfangen können. Es ist nicht länger hinnehmbar, dass Empfänger schutzlos illegalen Briefsendungen ausgesetzt sind. Weiterlesen

Tobias statt Mahlzahn. Oder: Kein Jim aus der Packstation

Erinnern Sie sich noch, wie Jim Knopf zu Lukas, König Alfons dem Viertelvorzwölften, Herrn Ärmel und Frau Waas nach Lummerland gekommen ist? Genau. Paket, Postbote, Verwechslung. Beinah wäre mir heute auch ein Jim ins Nest geflogen. Aber mangels Lokomotive hätte er sich bei mir ohnehin nur gelangweilt. Ich habe mich deshalb erfolgreich gewehrt.

Beginnen wir jedoch von vorne.

Weil tauschticket.de so freundlich war, mir zwei Gratistickets gutschreiben zu wollen, wenn ich registrierter Packstationskunde bei der Post werde, bin ich registrierter Packstationskunde bei der Post geworden. Das war vor über einem Jahr und niemals und niemandem habe ich meine Packstationsadresse herausgegeben. Ich schwöre! Die alberne anmutige güldene Packstationsabholscheckkarte lag seitdem unbenutzt im Schreibtisch.

Eines Tages flatterte ein beleidigtes Schreiben von Herrn Packstation ins Haus, ob ich denn nicht endlich mal… und ich wäre ja schon so lange… und ob denn alles in Ordnung sei und man sorge sich ja schließlich um mich. Ob ich nicht Lust hätte, fragt er mich dann, ein Probepaket zu bekommen. Ganz unverbindlich und voller toller Geschenke. Einfach mal, um die Packstation auszuprobieren. Klar! Geschenkt nehm ich immer. Etwas später fand sich eine etwas kümmerliche Mail im Briefkasten: Soooo gern hätte man mir ein Paket in die Packstation gelegt, aber leider war sie schon voll. Deshalb müsse ich mein Paket am Schalter abholen. Hab ich getan. Aber der Inhalt war eher Mitleid erregend. Post-Papiertaschentücher (nur 2-lagig!), zwei Tüten Tütensuppe (Lauch. Iiiih!), eine extrem praktische Minitaschenlampe, eine Müsli-Probe von einem Internetmüsliversender und noch irgendwas, das ich entweder ganz schnell weggeworfen oder aufgegessen, jedenfalls: verdrängt habe.

Also: Fleitepiepen. Das Packstations-Ausprobierpaket passt nicht in die Packstation und dann ist auch noch komisches Zeug drin. Nie wieder Packstation. Die güldene Plastikkarte ist daraufhin vor lauter Scham noch ein paar Papiersedimentschichten tiefer im Schreibtisch versunken.

Bis heute. Mail- und SMS-Alarm! »Ein Paket passte nicht in die Packstation! Retten Sie es und holen Sie es ab! Wir haben es in eine Filiale am anderen Ende der Stadt gebracht.«

Weil sich meine Erkältung frecherweise gerade dem Ende zuneigen will, die Außentemperaturen lustig um den Nullpunkt schlingern und soeben fieser Schneeregen einsetzt, berge ich also umgehend mein güldenes Kärtlein und schwinge mich aufs Rad. Eine lange kalte und nasse Fahrt bis ans andere Ende der Stadt führt mich schließlich an ein kleines vergessenes Posthäuschen, in dem es noch dicke Glasscheiben vor den Schaltern gibt. Wo vermutlich noch das Amtliche Verzeichnis der Ortsnetzkennzahlen ordentlich angekettet ausliegt und zwei griesgrämig dreinschauende Postbeamte ihren seit Jahrzehnten unveränderten Dienst versehen.

»Hier soll ein Paket für mich liegen, das nicht in die Packstation gepasst hat,« sage ich gutgelaunt (mit allerdings schon leichtem Hang zum Skeptischen) und schiebe meinen güldenen Packstations-Nutzungsberechtigungs-Beweis unter dem Panzerglas hindurch.

»Das wird sich noch herausstellen. Ich brauche dann auf jeden Fall noch Ihren Ausweis.« brummelt der Amtmann und verschwindet im Kabuff.

Meinen Ausweis halte ich gut fest und überantworte ihn nicht leichtsinnig der Obrigkeit. Vielleicht ist Herr Packstation sauer auf mich und will mich hier in der Einöde gefangenhalten.

Schnaufend kommt der Postbote mit einem recht großen Paket zurück. Es hat ungefähr die Ausmaße eines Weidenkörbchens Maxi-Cosys und es steht so etwas wie »Baby-Zone« oder »Baby-World« drauf. Luftlöcher kann ich nicht erkennen.

»Das war zu groß für die Packstation, denke ich mal.«  brummelt er.

Er beugt sich über den Adressaufkleber und liest. »Kirsten T.?« fragt er und blickt mich erwartungsvoll an.

»Ähm. Nein. Bin ich nicht. Kenn ich auch nicht.« antworte ich sehr sehr schnell.

»Oh.« entfährt es dem Postmann. Er schnappt sich meine güldene Packstationskarte.

Und dreht sie. Und wendet sie. Und liest die Paketaufkleber und die handschriftlich danebengekritzelten Hinweise der Packstationswichtel. Vergleicht Ziffern. Einzeln. Er muss schlussendlich doch kein graphologisches Gutachten einholen, sondern stellt mit einer gewichtigen Sicherheit, die allen verwaltungrechtlichen Zweifeln schon vorab den Wind aus den Segeln nimmt, fest:  »Aber da steht IHRE Nummer drauf.«

»Oh.« entfährt es mir.

»Kirsten T.?« fragt er wieder und blickt mich wieder erwartungsvoll an.

»Ähm. Nein. Bin ich nicht. Kenn ich auch nicht.« antworte ich wieder sehr sehr schnell.

»Das ist aber…« Dem Postler fehlen die Worte.

»Erwarten Sie denn..?.« ringt er sich sichtlich um Fassung.

»Nein! Nein! Ich wohne hier auch gar nicht!« beteuere ich.

»Oh.« entfährt es ihm.

»Ja.« antworte ich etwas einfältig.

»Das ist aber…« Dem Postler fehlen die Worte.

»Ich musste quer durch die ganze Stadt fahren. Ich wohne ja gar nicht hier.« jammere ich und schaue möglichst frierend und durchnässt aus der Wäsche.

»Kirsten T. wohnt hier um die Ecke.« stellt er nach einem erneuten schnellen Blick auf den Paketaufkleber amtlich fest.

»Ich nicht.« betone ich nochmals.

»Dann ist da wohl ein Fehler passiert.« schlussfolgert der Uniformierte ohne Blick in die Dienstvorschriften.

»Ja.« antworte ich etwas einfältig.Ihn durchzuckt ein letzter Hoffnungsschimmer: »Und mit Baby-Zone oder wie das heißt haben sie auch nichts zu tun?«

»Nein.« bin ich mir absolut sicher und hoffe auch so zu wirken. Meinen Ausweis umkralle ich immer noch fest.

»Hmm.« brummt er in Problemlösehaltung verharrend.

»Was machen wir denn jetzt?« Fragt er und starrt abwechselnd auf das Paket, meine Packstationskarte, mich, die Uhr, den Schneeregen draußen und seine Schuhspitzen.

»Keine Ahnung.« sage ich und warte.

Natürlich habe ich nicht wirklich eine Entschuldigung erwartet. Oder eine kleine Entschädigung für meine weite Reise durch die nasskalte Winterdämmerung. Eine Tütensuppe zum Beispiel, meinetwegen auch Lauch, etwas das wärmt. Oder eine Briefmarke. Diesen Mittwoch erscheint die Sondermarke zum 100. Geburtstag von Heinz Erhard. Das hätte doch gepasst und wäre sehr angemessen gewesen. Finde ich.

Aber nichts dergleichen. Würdig greift der Schalterbeamte innerlich zum Hammer und amtshandelt.

»Erneuter Zustellversuch.« brummt er zufrieden und schleppt das Paket wieder weg. Ich fahre heim. Ohne Jim.

GMX-Mail kündigen oder lieber ein Herrenmagazin?

Meinen kostenpflichtigen GMX-ProMail-Account habe ich damals nur deshalb eingerichtet, weil im Monatspreis von 2,95€ gleich 50 SMS mit drin sind. Ganz ohne Handy, einfach eintippen und losschicken. Macht knapp 6ct pro SMS bzw. 7,375ct pro SMS, wenn man die 10 kostenlosen SMS im FreeMail-Tarif abzieht. Eine ganze Weile hat sich das prima gerechnet und passte gut zu meinen Anforderungen, aber jetzt habe ich festgestellt: Meine SMS-Nutzung hat sich verändert, andere Alternativen sind günstiger. Ein klarer Fall für die beliebte Kategorie „umsteigen – aussteigen – abschalten – kündigen„.

Also, einfach mal einloggen und gucken. Ah, da: „Mein Account“, direkt auf der Seite nach dem Login. Sieht doch gut aus. Was dann folgt, verschlägt mir fast den Atem:

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Sensationell! Keine ewige Suche, kein Anruf bei dubiosen Hotlines. Die Vertragslaufzeit steht einfach so da, und das auf der ansonsten hoffnungslos überfrachteten GMX-Webseite. Sowas sollte Vorschrift werden! Der Link „Tarif wechseln“ sieht ebenfalls vielversprechend aus, aber ich bin erstmal skeptisch. Üblicherweise sind Tarifupgrades problemlos online möglich, Downgrades aber nicht.

Doch ich werde schon wieder überrascht. Unter den auswählbaren Tarifen ist auch der zurückgewünschte kostenlose „FreeMail Plus“-Account.  Unfassbar. Einfach mal draufklicken… Festhalten! Es erscheint:

Ein Angebot, dass Mann nicht ablehnen kann…

Heya Safari! Ein Angebot, das Mann nicht ablehnen kann. Bei GMX bleiben und den Playboy abstauben. Wow.  Wie zum Geier kommen die denn darauf?? Lässt das Rückschlüsse auf die Zielgruppe zu? Oder ist das gar ein personalisiertes Angebot und die haben meine SMSen inhaltsanalysiert? Datenschutzbeauftragter! Hubschraubereinsatz! Aber wie kommt dann „TV-Spielfilm“ dahin?

Lange ringt und regt sich da was in mir, zumal da ganz deutlich steht: Kein Abo, Zeitschriftenbezug endet einfach so nach Ablauf der 6 Monate. Auch ungewöhnlich. Sollte ich hier zum ersten Mal  einen kundefreundlichen Umgang mit abonnierten Diensten erwischt haben? Letztendlich will ich dann doch wirklich kündigen und auf das lockende Herrenmagazin verzichten. Kein Thema, geht per Klick. Dass ich danach noch um Feedback gebeten werde, stört mich auch nicht sonderlich:

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Gut. Schnell „Angebot nicht mehr benötigt“ ausgewählt und weitergeklickt.

Am Schluss kommt dann doch noch die große Enttäuschung:

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Also doch wie immer: Bestellen, Abo abschließen, Verpflichtungen eingehen – alles kein Problem mit nur wenigen Mausklicks. Kündigen, Downgraden, Abos wieder loswerden: Nur mit Hindernissen. Warum sollte bitteschön ein einzusendendes Fax meiner eigenen Sicherheit dienen? Eine zu bestätigende Mailnachricht würde doch auch reichen, oder die Möglichkeit, die Kündigung innerhalb einer angemessenen Frist zurückzunehmen. Falls jemand mein Passwort ausspäht oder errät, ist eine ungewollte Kündigung vermutlich ein geringes Übel, verglichen mit der Möglichkeit, auf meine privaten Mails und SMSen zuzugreifen. Mein Passwort musste ich sowieso schon erneut eingeben, nicht dass jemand in einem unbeaufsichtigten Moment schnell mal unbemerkt meine virtuelle Viert-Existenz vernichtet. Ok, man könnte argumentieren: Da wird eine E-Mail-Adresse wieder frei, dich sich ein Bösewicht dann schnappen könnte und anschließend alleinigen Zugriff auf meine Mails hat. Aber das hat er auch, wenn er einfach mein Passwort ändert. Und: GMX kann ja gar nicht prüfen, ob meine Unterschrift echt ist. Ich musste zum Einrichten schließlich auch kein Fax senden, sondern nur Adresse und Kontonummer eintippen.

Und mal ehrlich: Wer hat denn heute noch ein Faxgerät? Ich muss da ja irgendwie meine Unterschrift draufkriegen, also heißt das mindestens: Ausdrucken, unterschreiben, wieder einscannen und per GMX-Faxfunktion versenden. Oder im Büro faxen. Oder nachforschen, ob es bei der Post noch die alten öffentlichen Faxgeräte gibt. Was ist eigentlich, wenn ich keinen Drucker habe? Darf ich dann GMX nicht nutzen? Bei der Account-Einrichtung wurde mir nicht gesagt: „Falls Sie Ihr Abo jemals wieder loswerden wollen, benötigen Sie einen Drucker und ein Faxgerät.“ PDF draus machen und Unterschriftsgrafik reinfrickeln ist für den Normalnutzer wohl keine Alternative.

Immerhin: Das Formular muss nur Datum und Unterschrift bekommen, alles andere ist schon ausgefüllt und es sagt mir plötzlich: Du kannst mich auch per Post schicken. Das wird aber natürlich nicht zu früh verraten. Nicht dass jemand, der denkt „Oh je, das ist mir alles zu stressig, da nehm ich doch lieber den Playboy…“ verleitet wird, die Kündigung durchzuziehen.

Witzig auch die 5-Tage-Frist. Zu meiner Sicherheit, natürlich. Morgen ist Freitag, wenn ich meinen Brief dann abschicke und der nicht Montag da ist, könnte es schon knapp werden.  Ich probier’s einfach aus. Ohne Einschreiben. Mal schauen, was passiert.

Fazit: Es fing gut an und endete wie üblich. Schade. Und jetzt bekomm ich nichtmal ’nen Playboy.

Hurra, es ist ein Portoprodukt!

Soeben habe ich ein Portoprodukt erstanden. DHL hat sich extra in einer E-Mail mit dem unsäglichen Betreff »Erwerbsbestätigung fuer DHL Portoprodukte, 22.04.2008« dafür bedankt. Ich finde, das klingt ein bisschen nach Ferengi. Gemeint ist natürlich eine Briefmarke zum Selbstausdrucken.

Irgendwie denke ich bei »Produkt« wohl immer noch zu sehr an Handgreifliches und das Portoprodukt habe, wenn, dann ja wohl ich bzw. mein Drucker hergestellt. Aber Banken versuchen uns ja schon länger davon zu überzeugen, dass sie mit Finanzprodukten handeln, Anlageberatungsprodukte herstellen oder für ganz besonders ausgewählte Kunden sogar Premiumwertpapierprodukte bereithalten. Finanzprodukte kennt Google jedenfalls schon lange und recht gut. Portoprodukte hingegen sind außerordentlich lichtscheu, offensichtlich: Von drei Treffern gerade war einer pleite und zwei schwedisch.

Es ist also vermutlich damit zu rechnen, dass uns auch anderswo überraschende Produkte begegnen. Ich warte dann mal ab, bis die Stadt Osnabrück mir schriftlich für den Erweb eines Bußgeldproduktes dankt. Oder der Bischof für ein Bußprodukt.