Bahncard-Kündigung per E-Mail

Heute ist der letzte Geltungstag meiner Bahncard 50. Oder in den Augen der Bahn: Der letzte Geltungstag meiner diesjährigen Bahncard 50. Die gibt es nämlich nur im Abo und das verlängert sich automatisch um ein Jahr, wenn nicht fristgerecht gekündigt wird.

Das habe ich natürlich getan, und zwar per E-Mail. Ging ganz einfach und hat problemlos funktioniert. Weiterlesen

Ein SchönerTag mit der Bahn? Aber ohne Krawatte, bitte!

Februar ist Dienstreisemontag. Üblicherweise führen die mich nach Hannover, Hannover, Oldenburg, Hannover, Berlin, Hannover, Hannover oder auch mal nach Hannover. Morgen ist ein besonderer Dienstreisetag, denn ich darf Rheda-Wiedenbrück besuchen. Wo zum Geier ist das? Und kommt man da mit der Bahn überhaupt hin? Klar doch. Nur knapp eineinhalb Stunden und zweimal umsteigen führen von Osnabrück ins schöne ostwestfälische Städtchen, das eigentlich nur 55km entfernt liegt. Wie üblich wollte ich heute meine Fahrkarte als Online-Ticket über das Firmenkundenportal der Bahn buchen.

Aber. Der kurze Check wie lange und wo entlang mich die Fahrt führen würde, war im Normalkundenportal schnell erledigt und der vertraute „Online Buchen“-Button hätte mich mit meiner Bahncard 50 zu 16,10 Euro Fahrkosten gebracht. Der Großkundentarif spart da nochmal 7-8%. Nicht die Welt, aber Kleinvieh macht auch.. Sie wissen schon. (Außerdem ist zur Entlastung des Steuerzahlers selbstverständlich die Nutzung aller denkbaren Rabattmöglichkeiten für Dienstreisen zwingend vorgeschrieben.)

Nach Login im Firmenkundenbereich fehlte allerdings der Sofort-Buchen-Link. Stattdessen die Aussage: „Vorausbuchungsfrist abgelaufen“. Wie das? Schnell mal die Hotline anrufen.

Tobi: „Guten Tag! Ich wollte ein Online-Ticket für morgen über das Firmenkundenportal buchen, konnte die Buchung aber nicht abschließen.“

Bahncallcenteragentin: „Von wo nach wo wollen Sie denn fahren?“

Tobi: „Von Osnabrück Hauptbahnhof nach Rheda-Wiedenbrück“

Bahncallcenteragentin: „Äh.“

Tobi: „Das ist eine recht kurze Strecke.“

Bahncallcenteragentin: „Äh. Und wo ist das Problem?“

Tobi: „Über die normale Buchungsmaske wurde mir ein Online-Ticket angeboten, im Firmenkundenportal allerdings nicht.“

Bahncallcenteragentin: „Äh. Ist da ein Regionalexpress dabei?“

Tobi: „Ja, aber den buche ich doch sonst auch online.“

Bahncallcenteragentin: „Äh. Ist das ein SchönerTag-Ticket?“

Tobi: „Keine Ahnung. Da steht ‚NRW-Ticket‘.“

Bahncallcenteragentin: „Ja, das ist SchönerTag.“

Tobi: „Schön.“

Bahncallcenteragentin: „Äh. Das geht nicht.“

Tobi: „Bitte?“

Bahncallcenteragentin: „SchönerTag-Tickets sind als Online-Ticket für Firmenkunden nicht buchbar.“

Tobi: „Bitte?“

Bahncallcenteragentin: „Äh. Das ist so.“

Tobi: „Warum?“

Bahncallcenteragentin: „Äh. Das kann ich Ihnen auch nicht sagen.“

Tobi: „Oh.“

Bahncallcenteragentin: „Ja.“

Tobi: „Und jetzt?“

Bahncallcenteragentin: „Das Ticket können Sie dann nicht buchen.“

Tobi: „Ja.“

Bahncallcenteragentin: „Ja.“

Tobi: „Und jetzt?“

Bahncallcenteragentin: „Das kann ich Ihnen nicht sagen.“

Tobi: „Ich sehe hier noch eine frühere Verbindung mit IC, die ich buchen kann. Kostet 0,50€ mehr. Kann ich mit der Fahrkarte auch die eigentlich gewünschte Verbindung nehmen?“

Bahncallcenteragentin: (glücklich strahlend) „Ja, selbstverständlich.“

Tobi: „Ja, dann mach ich das wohl.“

Bahncallcenteragentin: (glücklich strahlend) „Toll!“

Tobi: „Ja.“

Ok. Den Steuerzahler kostet meine Dienstreise nun 50 Cent mehr als nötig. Aber die Alternative, zum Bahnhof zu laufen und am Schalter dem Bahnvertriebsbeauftragten meinen Reisewunsch darzulegen und eine umfängliche Beratungsdienstleistung in Anspruch zu nehmen, hätte mindestens eine halbe Stunde meiner Arbeitszeit in Anspruch genommen und die kostet den Steuerzahler weit mehr als 50 Cent. Also: Geld gespart und einen darbenden Staatsbetrieb subventioniert. Ein guter Tag!

(P.S.: Dieser Bericht ist selbstverständlich nicht in meiner Arbeitszeit entstanden und verursacht dem Steuerzahler keine Mehrkosten.)

GMX-Mail kündigen oder lieber ein Herrenmagazin?

Meinen kostenpflichtigen GMX-ProMail-Account habe ich damals nur deshalb eingerichtet, weil im Monatspreis von 2,95€ gleich 50 SMS mit drin sind. Ganz ohne Handy, einfach eintippen und losschicken. Macht knapp 6ct pro SMS bzw. 7,375ct pro SMS, wenn man die 10 kostenlosen SMS im FreeMail-Tarif abzieht. Eine ganze Weile hat sich das prima gerechnet und passte gut zu meinen Anforderungen, aber jetzt habe ich festgestellt: Meine SMS-Nutzung hat sich verändert, andere Alternativen sind günstiger. Ein klarer Fall für die beliebte Kategorie „umsteigen – aussteigen – abschalten – kündigen„.

Also, einfach mal einloggen und gucken. Ah, da: „Mein Account“, direkt auf der Seite nach dem Login. Sieht doch gut aus. Was dann folgt, verschlägt mir fast den Atem:

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Sensationell! Keine ewige Suche, kein Anruf bei dubiosen Hotlines. Die Vertragslaufzeit steht einfach so da, und das auf der ansonsten hoffnungslos überfrachteten GMX-Webseite. Sowas sollte Vorschrift werden! Der Link „Tarif wechseln“ sieht ebenfalls vielversprechend aus, aber ich bin erstmal skeptisch. Üblicherweise sind Tarifupgrades problemlos online möglich, Downgrades aber nicht.

Doch ich werde schon wieder überrascht. Unter den auswählbaren Tarifen ist auch der zurückgewünschte kostenlose „FreeMail Plus“-Account.  Unfassbar. Einfach mal draufklicken… Festhalten! Es erscheint:

Ein Angebot, dass Mann nicht ablehnen kann…

Heya Safari! Ein Angebot, das Mann nicht ablehnen kann. Bei GMX bleiben und den Playboy abstauben. Wow.  Wie zum Geier kommen die denn darauf?? Lässt das Rückschlüsse auf die Zielgruppe zu? Oder ist das gar ein personalisiertes Angebot und die haben meine SMSen inhaltsanalysiert? Datenschutzbeauftragter! Hubschraubereinsatz! Aber wie kommt dann „TV-Spielfilm“ dahin?

Lange ringt und regt sich da was in mir, zumal da ganz deutlich steht: Kein Abo, Zeitschriftenbezug endet einfach so nach Ablauf der 6 Monate. Auch ungewöhnlich. Sollte ich hier zum ersten Mal  einen kundefreundlichen Umgang mit abonnierten Diensten erwischt haben? Letztendlich will ich dann doch wirklich kündigen und auf das lockende Herrenmagazin verzichten. Kein Thema, geht per Klick. Dass ich danach noch um Feedback gebeten werde, stört mich auch nicht sonderlich:

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Gut. Schnell „Angebot nicht mehr benötigt“ ausgewählt und weitergeklickt.

Am Schluss kommt dann doch noch die große Enttäuschung:

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Also doch wie immer: Bestellen, Abo abschließen, Verpflichtungen eingehen – alles kein Problem mit nur wenigen Mausklicks. Kündigen, Downgraden, Abos wieder loswerden: Nur mit Hindernissen. Warum sollte bitteschön ein einzusendendes Fax meiner eigenen Sicherheit dienen? Eine zu bestätigende Mailnachricht würde doch auch reichen, oder die Möglichkeit, die Kündigung innerhalb einer angemessenen Frist zurückzunehmen. Falls jemand mein Passwort ausspäht oder errät, ist eine ungewollte Kündigung vermutlich ein geringes Übel, verglichen mit der Möglichkeit, auf meine privaten Mails und SMSen zuzugreifen. Mein Passwort musste ich sowieso schon erneut eingeben, nicht dass jemand in einem unbeaufsichtigten Moment schnell mal unbemerkt meine virtuelle Viert-Existenz vernichtet. Ok, man könnte argumentieren: Da wird eine E-Mail-Adresse wieder frei, dich sich ein Bösewicht dann schnappen könnte und anschließend alleinigen Zugriff auf meine Mails hat. Aber das hat er auch, wenn er einfach mein Passwort ändert. Und: GMX kann ja gar nicht prüfen, ob meine Unterschrift echt ist. Ich musste zum Einrichten schließlich auch kein Fax senden, sondern nur Adresse und Kontonummer eintippen.

Und mal ehrlich: Wer hat denn heute noch ein Faxgerät? Ich muss da ja irgendwie meine Unterschrift draufkriegen, also heißt das mindestens: Ausdrucken, unterschreiben, wieder einscannen und per GMX-Faxfunktion versenden. Oder im Büro faxen. Oder nachforschen, ob es bei der Post noch die alten öffentlichen Faxgeräte gibt. Was ist eigentlich, wenn ich keinen Drucker habe? Darf ich dann GMX nicht nutzen? Bei der Account-Einrichtung wurde mir nicht gesagt: „Falls Sie Ihr Abo jemals wieder loswerden wollen, benötigen Sie einen Drucker und ein Faxgerät.“ PDF draus machen und Unterschriftsgrafik reinfrickeln ist für den Normalnutzer wohl keine Alternative.

Immerhin: Das Formular muss nur Datum und Unterschrift bekommen, alles andere ist schon ausgefüllt und es sagt mir plötzlich: Du kannst mich auch per Post schicken. Das wird aber natürlich nicht zu früh verraten. Nicht dass jemand, der denkt „Oh je, das ist mir alles zu stressig, da nehm ich doch lieber den Playboy…“ verleitet wird, die Kündigung durchzuziehen.

Witzig auch die 5-Tage-Frist. Zu meiner Sicherheit, natürlich. Morgen ist Freitag, wenn ich meinen Brief dann abschicke und der nicht Montag da ist, könnte es schon knapp werden.  Ich probier’s einfach aus. Ohne Einschreiben. Mal schauen, was passiert.

Fazit: Es fing gut an und endete wie üblich. Schade. Und jetzt bekomm ich nichtmal ’nen Playboy.

ADAC-Mitgliedschaft beenden: Kündigen auf Umwegen

Nach BahnCard und GEZ wollte ich es mal mit einer leichteren Übung versuchen. Kündigung meiner ADAC-Mitgliedschaft. Mein Auto hatte ich verkauft, bin Mitglied in einem Car-Sharing-Verein geworden und brauchte die ADAC-Leistungen also selbst nicht mehr.

Auch beim ADAC gilt natürlich: Mitglied werden ist leicht, per Online-Formular jederzeit und problemlos möglich, auch Tarifwechsel (Upgrade, natürlich!) sind kein Thema. Und der Rückweg? Auf der Webseite finden sich keine brauchbaren Hinweise, geschweige denn ein Formular und auch die Suchfunktion der Webseite hüllt sich in Schweigen. Ein bisschen Herumgooglen hat das Gerücht zutage gefördert, man könne per interner Mail kündigen. Das heißt: Bei „Mein ADAC“ einloggen und eine Nachricht per Webformular an den Support senden, in der ich erkläre: Will austreten und kein ADAC-Mitglied mehr sein.

Mein ADAC
Mein ADAC: Ändern, aufstocken, sogar Cookie löschen. Aber austreten, kündigen, weniger? Fehlanzeige!

Das habe ich getan. Schnell kam eine Eingangsbestätigung per E-Mail samt Vorgangsnummer. Immerhin! Danach Stille. Wochen später klingelt das Telefon:

ADAC-Callcenter-Agentin: Wir haben hier eine Austrittserklärung vorliegen.

Tobias: Ja, das ist richtig.

ADAC-Callcenter-Agentin:Das ist natürlich bedauerlich. Darf ich nach Ihren Gründen fragen?

Tobias: (Ist mal freundlich und will heroisch ein Zeichen setzen: Es geht auch ohne Auto!) Ich habe mein Auto verkauft und brauche auch kein neues.

ADAC-Callcenter-Agentin: Ja, das ist natürlich ein Grund. Da macht es ja keinen Sinn mehr, ADAC-Mitglied zu sein.

Tobias: Eben.

ADAC-Callcenter-Agentin: Wir würden uns natürlich freuen, wenn Sie wieder Mitglied werden, wenn Sie wieder ein Auto haben. Das ist jederzeit möglich.

Tobias: Ja, das würde ich dann in Erwägung ziehen. Wie geht es denn jetzt weiter? Muss ich noch irgendwas tun, um meine Mitgliedschaft endgültig zu kündigen?

ADAC-Callcenter-Agentin:  Nein, das ist jetzt alles erledigt. Wir schließen den Vorgang ab und sie bekommen noch eine schriftliche Bestätigung zugesandt.

Tobias: Wunderbar. Dann bedanke ich mich und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!

ADAC-Callcenter-Agentin: (fröhlich) Ebenso!

Die angekündigte schriftliche Bestätigung kam natürlich nicht. Aber ich habe es einfach mal darauf ankommen lassen, ob am 1. Juli Geld abgebucht wird oder eine Mahnung bei mir eintrudelt. Nein, nichts. Es sieht so aus, als sei ich erfolgreich ausgetreten. Das „Mein ADAC“-Login funktioniert jedenfalls auch nicht mehr.

Fazit: Die Kündigung wird unnötig erschwert, weil Informationen darüber nicht aufzufinden sind. Aber immerhin reicht eine formlose Nachricht über den persönlichen Online-Account aus. Es gibt sogar zeitnah eine Reaktion, die nicht wirklich umfassend und klar, aber wenigstens effektiv ist.

GEZ-Abmeldung wegen Geräte-Minderung

Wenn’s dem Esel zu wohl wird, geht er auf’s Eis, sagt man wohl. Ich habe jedenfalls trotz der Bahncard-Kündigungs-Odyssee beschlossen, meinen Fernseher zu verkaufen und das frisch, fromm, fröhlich frei der GEZ mitzuteilen, auf dass meine Zahlungspflicht von 17,03€ auf 5,52€ im Monat sinke. Letztere Summe gilt für ein Radio und/oder »neuartiges Rundfunkgerät«. So eines – vulgo: Internet-PC – halte ich zum Empfang bereit und bin damit vollstens zufrieden.

So zufrieden, dass ich festgestellt habe, meinen Fernseher beinah nie einzuschalten. Da muss man sich an feste Zeiten halten, vorwarnungslos üble Machwerke über sich ergehen lassen und auch noch Unmengen klebriger bis diskriminierender Werbung ertragen. Bäh! Ohne mich! Die Lindenstraße kann man nämlich schon ganz lange im Netz angucken und aktuelle Nachrichten finden sich auch überall. Wozu also noch der große alte Kasten im Wohnzimmer?! 90€ hat er noch gebracht, den Videorecorder habe ich verschenkt und meine TV-Karte für den PC ist schon vor Jahren bei EBay über die Ladentheke gegangen.

Hurra! Mein Haushalt war clean und ich ganz offiziell nur noch vermindert gebührenpflichtig. Diese erfreuliche Tatsache wollte ich natürlich ganz schnell der GEZ mitteilen, damit die sich mit mir mitfreuen können. Erfreulicher- bis überraschenderweise findet man die Abmelde-Formulare auf der GEZ-Webseite ganz leicht. Unter »Service« neben »Anmelden« und »Ummelden«. Sogar in gleicher Schriftgröße! Selbstverständlich kann man sich auch bei der GEZ zwar problemlos online anmelden, aber auf keinen Fall abmelden. Das wäre dann doch zu viel des Guten.

Über GEZ-Abmeldeversuche liest man ja Grausliches. Ich will da gar nichts im Einzelnen verlinken – Google wird wohl jeder Interessierte bedienen können. Ein besonderer Quell des Widerspruchs scheint die Begründung auf dem Abmeldeformular zu sein. Ich war mutig und habe einfach nur hingeschrieben:

Fernseher und Videorecorder verkauft, keine Neuanschaffung geplant.

Briefmarke drauf und als Einschreiben mit Rückschein abgeschickt. Der Rückschein kam nach drei Tagen, die Antwort nach insgesamt 9. Und dort stand:

Sehr geehrter …,
wir bestätigen Ihnen die Änderung der Anzahl Ihrer Rundfunkgeräte zum 1.2.2008. […] Die Gebühr beträgt monatlich 5,52 EUR.

Ich war ja fast ein bisschen enttäuscht. Sollte das alles gewesen sein? Ja, sieht so aus. Die neueste Rechnung (keine Lastschriftermächtigung, nix da!) war jedenfalls korrekt.

Fragt sich noch: Und wenn man mal einen Film gucken will? Rechnen wir mal… Fernsehgebühren in Höhe von €11,51 machen €138,12 im Jahr. Oder €414,36 in drei Jahren. Ein schicker und nicht fernsehgebührenpflichtiger Beamer für’s Filmegucken kostet… Eben! Geschenkt!

Jetzt warte ich nur noch darauf, dass mir auch meine Gebühren für’s Privatfernsehen zurückbezahlt werden. Ich seh ja nicht ein, dass ich 15ct Aufpreis (schätz ich mal ohne irgendwas darüber zu wissen) auf die Milka-Tafel zahle und dann die von mir finanzierte Werbung gar nicht sehen kann. Aber daraus wird wohl nichts. Außer keine Milka kaufen. Da kann man sagen, was man will: Die GEZ ist da fairer.

Was will der? Bahncard-Abo kündigen? Glauben wir nicht!

Früher konnt man bei der Bahn eine so genannte »Bahncard« erwerben. Das war eine Rabattkarte, mit der sich für ein Jahr lang Fahrkarten zu reduzierten Preisen (25% oder 50% Ermäßigung) erwerben ließen. Das gibt es heute nicht mehr. Die Bahn verkauft nur noch Abonnements, die nicht ein Jahr, sondern erstmal ewig gelten. Gemeinerweise aber immer noch »Bahncard« heißen. Das Abo gab es früher auch, wurde allerdings mit einer Geltungsdauer von 13 statt 12 Monaten belohnt und musste extra angekreuzt werden. Definitiv zu kundenfreundlich!

Vorteile für den Kunden hat diese Änderung nur noch in den Fällen, wo jemand seine Bahncard quasi täglich nutzt und nicht plötzlich mit abgelaufener Karte dastehen will. Jeder andere spart eine Menge Geld, wenn er nach Ablauf der alten Karte die Neue erst dann beginnen lässt, wenn er sie wirklich braucht. Bei einer BahnCard50 zum Normalpreis sind das immerhin 4,61€ pro Woche oder 65 Cent pro Tag. Tipp: Auf dem Bahncard-Formular kann man eintragen, ab wann die Karte gelten soll – und am Schalter erhält man sofort eine vorläufige Bahncard, mit der es dann losgehen kann.

Also ist die erste Aktion nach Erhalt einer neuen Bahncard: Brief an den Bahncard-Service schreiben und das Abo kündigen. Vorzugsweise per Einschreiben.

Das letzte Mal habe ich diesen Schritt vergessen. Es war ja auch nur die Umwelt-Bahncard25, die nur sechs Monate gültig war, kein Photo benötigte und einfach per Klick zu beantragen war. Dass sich die auch automatisch verlängern könnte, hatte ich nicht bedacht. War aber halb so schlimm, denn ich habe mich rechtzeitig entschieden, sogar schon vor Ablauf wieder eine BahnCard50 haben zu wollen.

Also tigere ich zum Bahnhof, fülle das Formular aus, gebe mein Photo ab – dauert nur 5 Minuten. Der freundliche Servicemitarbeiter weist mich dankenswerterweise noch darauf hin, dass ich meine BahnCard25 dann noch kündigen müsse. (Ja, es gibt Szenarien, in denen es Sinn macht, sowohl eine 25er als auch eine 50er zu besitzen. Die 25er gewährt im Gegensatz zur 50er auch Rabatt auf Sparpreise, kann also bis zu 62,5% einsparen helfen.) Das könne ich ganz einfach dadurch erledigen, dass ich den Satz »Hiermit kündige ich mein Abonnement zur Bahncard Nummer xyz. Datum, Unterschrift.« auf ein weißes Blatt schreibe und dem Antrag beigelege. Das habe ich flugs vor Ort gemacht und wähnte mich auf der sicheren Seite.

Drei Wochen später kam meine neue BahnCard50 per Post. Alles prima. Ich reise heute noch viel und gern mit ihr.

1. Akt: Da fehlt doch ein Photo!

Tags darauf aber trudelte ein Brief in meinen Briefkasten: »Für die Bearbeitung Ihres Bahncard-Antrags fehlen noch Unterlagen. Siehe Rückseite.« Auf der Rückseite stand lapidar: »Photo«. Fix bei der Hotline für Bahncard-Kunden (12ct pro Minute) angerufen:

Tobias: Guten Tag, ich habe gerade einen Brief erhalten, ich sollte noch ein Photo einreichen. Ich habe aber die Bahncard schon.

Call-Center-Agentin: Ihre BahnCard-Nummer?

Tobias (nennt Bahncard-Nummer)

Call-Center-Agentin: Moment! (tippt zwei Minuten wild im CRM-System)

Call-Center-Agentin: Aber hier liegt doch ein Photo von Ihnen vor.

Tobias: Eben!

Call-Center-Agentin: Moment! (tippt zwei Minuten wild im CRM-System)

Call-Center-Agentin: Hatten Sie eine UmweltBahnCard?

Tobias: Ja, aber die habe ich fristgerecht gekündigt. Die Kündigung lag dem Antrag für die BahnCard50 bei.

Call-Center-Agentin: Moment! (tippt zwei Minuten wild im CRM-System)

Call-Center-Agentin: Sie haben ja jetzt eine BahnCard50.

Tobias: Eben!

Call-Center-Agentin: Und hier ist auch vermerkt, dass Sie die Umwelt-Bahncard gekündigt haben.

Tobias: Eben!

Call-Center-Agentin: Dann hat sich da wohl etwas überschnitten. Betrachten Sie das Schreiben einfach als gegenstandslos. (tippt 30 Sekunden wild im CRM-System) Vielen Dank für Ihren Anruf!

2. Akt: Aber sie haben doch ein Abo!

Nur drei Tage später wunderte ich mich, dass schon wieder ein Brief mit fühlbar scheckkartengroßem Inhalt vom BahnCard-Service bei mir eintraf. Und, oh Wunder! Es war eine niegelnagelneue BahnCard25. Fix bei der Hotline für Bahncard-Kunden (12ct pro Minute) angerufen:

Tobias: Guten Tag, ich habe gerade eine neue BahnCard25 erhalten, obwohl ich fristgerecht gekündigt habe.

Call-Center-Agentin: Ihre BahnCard-Nummer?

Tobias (nennt Bahncard-Nummer der neuen BahnCard50)

Call-Center-Agentin: Moment! (tippt zwei Minuten wild im CRM-System)

Call-Center-Agentin: Aber sie haben ja jetzt eine BahnCard50.

Tobias: Eben! Und bis vor Kurzem die Umwelt-BahnCard25. Die hatte ich aber gekündigt.

Call-Center-Agentin: Moment! (tippt zwei Minuten wild im CRM-System)

Call-Center-Agentin: Aber für die liegt hier eine fristgerechte Kündigung vor.

Tobias: Eben!

Call-Center-Agentin: Und was ist jetzt das Problem?

Tobias: Ich habe trotz Kündigung eine neue BahnCard25 bekommen. Die möchte ich aber nicht haben. Darum auch die Kündigung.

Call-Center-Agentin: Oh. Da muss es zu einer Überschneidung gekommen sein. Ich vermerke das hier mal (tippt 25 Sekunden wild im CRM-System). Ich schicke Ihnen jetzt einen Brief, in dem sie aufgefordert werden, die BahnCard25 zurückzusenden. Dann ist der Fall für Sie erledigt. Vielen Dank für Ihren Anruf!

3. Akt: Ihr Anliegen

Na, da war ich aber mal gespannt. Tatsächlich: Vier Tage später hielt ich einen Brief mit etwas abenteuerlichem Text in Händen: »Wir sind bereit, Ihrem Anliegen zu entsprechen. Bitte senden Sie die BahnCard Nr. xyz zurück an..«. Mein Anliegen?? Hallo!? Ihr macht einen Fehler und lasst euch dann herab, meinem vermutlich arg exotischen Wunsch nach Fehlerbehebung entgegenzukommen?

Na gut. Schreiben aufgesetzt, höfliche Dinge reingeschrieben, um schriftliche Bestätigung gebeten, Karte beigelegt und dummerweise vergessen, das als Einschreiben auf die Reise zu schicken.

4. Akt: Aber Sie haben doch ein Abo!

Fast zwei Wochen lang habe ich nichts von der Bahn gehört oder gelesen. Leider auch nicht in Form eines Kündigungs- und BahnCard-Rücksende-Bestätigungs-Schreibens. Bis der Blick auf meinen jüngsten Kontoauszug fiel: »Lastschrift BahnCard-Service: -55€« Soviel kostet zufällig ein BahnCard25-Abo pro Jahr. Fix bei der Hotline für Bahncard-Kunden (12ct pro Minute) angerufen:

Tobias: Guten Tag, ich habe gerade eine nicht ermächtigte Lastschrift für eine BahnCard25 auf meinem Konto entdeckt, obwohl ich fristgerecht gekündigt habe.

Call-Center-Agentin: Ihre BahnCard-Nummer?

Tobias (nennt Bahncard-Nummer der neuen BahnCard50)

Call-Center-Agentin: Moment! (tippt zwei Minuten wild im CRM-System)

Call-Center-Agentin: Aber sie haben ja jetzt eine BahnCard50.

Tobias: Eben! Und bis vor Kurzem die Umwelt-BahnCard25. Die hatte ich aber gekündigt.

Call-Center-Agentin: Moment! (tippt zwei Minuten wild im CRM-System)

Call-Center-Agentin: Aber für die liegt hier eine fristgerechte Kündigung vor.

Tobias: Eben!

Call-Center-Agentin: Und was ist jetzt das Problem?

Tobias: Ich habe vor einer Woche mit Ihrer Kollegin telephoniert, die mich um Rücksendung der versehentlich zugestellten BahnCard25 gebeten hat. Das habe ich getan. Trotzdem wurde mein Konto belastet.

Call-Center-Agentin: Moment! (tippt zwei Minuten wild im CRM-System)

Call-Center-Agentin: Moment, ich kläre das und lege sie mal kurz in die Warteschleife!

Tobias (lauscht 5 Minuten schöner Warteschleifenmusik)

Call-Center-Agentin: Das hat sich wohl etwas überschnitten. Entschuldigen Sie bitte das Versehen. Können Sie die Lastschrift noch stornieren?

Tobias: Ja klar, kein Problem. Einfach wegen Widerspruchs zurückgehen lassen?

Call-Center-Agentin: Ja, genau. Ich mache hier einen Vermerk für die Buchhaltung (tippt mittelwild 10 Sekunden im CRM-System). Dann hat sich das für Sie erledigt.

Tobias: Also so ganz glaube ich nicht mehr daran. Können Sie mir noch eine schriftliche Bestätigung zukommen lassen, dass der Fall damit erledigt ist?

Call-Center-Agentin: (übertrieben fröhlich) Ja klar, gar kein Problem. Vielen Dank für Ihren Anruf!

5. Akt: Wie kommen Sie denn auf DIE Idee?

Natürlich habe ich kein Bestätigungsschreiben bekommen. Dafür wieder zwei Wochen später einen Brief vom »DB Forderungs-Management«. Ich hätte unerklärlicherweise eine Lastschrift widerrufen. Das solle ich bitte umgehend erklären. Und zusätzlich anfallende Kosten würden natürlich mir zur Last fallen. Also fix bei der Hotline für Bahncard-Kunden (12ct pro Minute) angerufen:

Tobias: Guten Tag, ich habe eine nicht ermächtigte Lastschrift zurückgehen lassen und deshalb ein Schreiben vom Forderungs-Management bekommen.

Call-Center-Agentin: Ihre BahnCard-Nummer?

Tobias (nennt Bahncard-Nummer der neuen BahnCard50)

Call-Center-Agentin: Moment! (tippt zwei Minuten wild im CRM-System)

Call-Center-Agentin: Sie haben eine neue BahnCard50.

Tobias: Ja, die will ich auch behalten. Aber bis vor Kurzem hatte ich die Umwelt-BahnCard25. Die hatte ich aber gekündigt. Trotzdem wurde das Geld eingezogen.

Call-Center-Agentin: Moment! (tippt zwei Minuten wild im CRM-System)

Call-Center-Agentin: Moment, ich kläre das und lege sie mal kurz in die Warteschleife!

Tobias (lauscht 15 Minuten – ungelogen! – schöner nichtnervender Warteschleifenmusik)

Call-Center-Agentin: Vielen Dank, dass sie so lange gewartet habe. Sie können das Schreiben ignorieren.

Tobias: (noch Warteschleifenbedudelt) Bitte?

Call-Center-Agentin: Ich habe das gerade geklärt. Sie können das Schreiben ignorieren.

Tobias: Ähm. Also so ganz glaube ich nicht mehr daran. Können Sie mir noch eine schriftliche Bestätigung zukommen lassen, dass der Fall damit erledigt ist?

Call-Center-Agentin: (übertrieben fröhlich) Ja klar, gar kein Problem. Vielen Dank für Ihren Anruf!

6. Akt: Über allen Wipfeln ist Ruh

Seit vier Wochen habe ich nun nichts mehr von der Bahn gehört. Ist das gut? Ist das verdächtig? Man weiß es nicht..

Jedenfalls weiß ich: Was immer Ihr auch kündigen wollt, tut es schriftlich, als Einschreiben mit Rückschein. Abo-Verträge sind wie Aalreusen: Rein kommt man leicht, raus nur nach hartem Kampf und mit schweren Blessuren. Die hießen bei mir: 5€Kosten für Hotline und Porto und zudem ’ne Menge verschwendeter Zeit.

Und für BahnCard-Kunden:

Also ist die erste Aktion nach Erhalt einer neuen Bahncard: Brief an den Bahncard-Service schreiben und das Abo kündigen. Vorzugsweise per Einschreiben.