Microsoft Word ist state oft the art

In den vergangenen Wochen ist mir ein Rechtschreibfehler gleich mehrfach und in verschiedenen Texten aufgefallen: Vom „state oft the art“ war die Rede (statt: „state of the art„). In einem dieser Texte hat der Fehler mehrere Korrekturzyklen überlebt und somit die Frage aufgeworfen: Wo kommt der her, der Fehler und warum geht er nicht wieder weg?

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Scheißegaaaaaal, scheißegaaaaaaal…

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…ob du Huhn bist oder Hahn.

Gegessen wirst du sowieso und das auch noch aus dem gleichen Topf, wie mir der Apollo Pizza Service heute mitgeteilt hat. Ansonsten war der Prospekt – von den »Calamari Frutti« und dem »Reis „Diepholz“« abgesehen –  leider nahezu frei von sprachlichen Höhepunkten

Betreffs der Einfachheit kann, dass ich offen wie das Buch sagen. Mich mu?

91% Spam-Wahrscheinlichkeit, meint der Unimail-Spamfilter. Deshalb bin ich nur zufällig beim Überfliegen des Junk-Ordners an einem besonders schönen Exemplar beinah-deutscher Spamlyrik hängengeblieben.

Hallo werde ich der schone Fremde, uber unsere Bekanntschaft mich froh sein rufen Anastasiya.

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Vielgesuchte Wörter. Heute: Der Bannerschlepp.

Douglas Adams und John Lloyd haben 1983 ein kleines Büchlein mit dem Titel „The Meaning of Liff“ vorgelegt. Darin schlagen sie kleine neue Wörter für Dinge, Gefühle und Begebenheiten vor, die jeder kennt, aber die noch kein eigenes Wort abbekommen haben.

AHENNY (adj.)
The way people stand when examining other people’s bookshelves.

AMBLESIDE (n.)
A talk given about the Facts of Life by a father to his son whilst walking in the garden on a Sunday afternoon.

CORFE (n.)
An object which is almost totally indistinguishable from a newspaper, the one crucial difference being tat it belongs to somebody else and is unaccountably much more interesting that your own – which may otherwise appear to be in all respects identical. Though it is a rule of life that a train or other public place may contain any number of corfes but only one newspaper, it is quite possible to transform your own perfectly ordinary newspaper into a corfe by the simple expedient of letting somebody else read it.

Eine deutsche Version von Sven Böttcher namens „Der tiefere Sinn des Labenz“ gibt es auch, sowie eine deutsche Webseite, die bisher unbenannte Gegenstände und Gefühle sammelt.

Oft ist die Lage aber die: Es gibt schon ein Wort für etwas, das ich umständlich zu erklären versuche, es kennt nur kaum jemand. Ein Jammer!

Gestern bin ich über ein solches Wort gestolpert:

Bannerschlepp, der:
Bei einem Bannerschlepp wird ein Schleppbanner im Flugzeugschlepp geschleppt.

Sie wissen schon: Werbebanner, die von einem kleinen Flugzeug am Himmel entlanggezogen werden und auf denen z.B. steht „Alles Gute Herfried„. Oder „Sauft Doppelbock!“ Oder „Kauft mehr!„.

In der Alltagssprache wird das Wort viel zu selten verwendet. Praktisch wäre es für Polizeiberichte: „Der Taschendieb muss zugeschlagen haben, als ein Bannerschlepp meine Aufmerksamkeit auf sich zog.“ Oder für Romantisches: „Ich gestand ihr meine Liebe mit einem Bannerschlepp.“ Und natürlich lässt sich auch eine großartige neue zwonullige Veranstaltungsform daraus machen: Der Barschlepp.

Bildungsrepublik Deutschland: Nur mit 15fachem Durchschlag

Überall, wo sich in Deutschland Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Fragen der Sprachförderung und Sprachdiagnostik beschäftigen, herrschte letzte Woche Hochbetrieb. Morgen endet nämlich die Einreichungsfrist für Anträge auf Forschungsförderung in der äußerst lobenswerten Förderinitiative Sprachdiagnostik / Sprachförderung im Kontext des Rahmenprogramms zur Förderung der Empirischen Bildungsforschung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. (Ein ordentlicher Name muss schon sein..)

Zweifel an der Zukunftsorientierung der Bildungsförderungs-Bürokratie lässt dann nur folgender Absatz aufkommen:

Die Vorhabenbeschreibungen sind in 15 Exemplaren (DIN A4, doppelseitig, und 1 Exemplar einseitig und ungebunden als Kopiervorlage) und als pdf-Dokument auf CD-ROM vorzulegen.

Nicht, dass da einfach so jemand ein PDF per E-Mail schickt! Das wäre der sonst übliche Weg für derartige Ausschreibungen, meist wird zusätzlich noch ein ausgedrucktes und offiziell unterschriebenes Exemplar verlangt.

Aber irgendwie ist Bildung ja ein besonderes Gut.

99 Republiken und ziemlich wenig über viel Bildung

Politik wird oft von Symbolhandlungen dominiert. Probleme mit Arbeitslosigkeit? Eine Arbeitsoffensive muss her. Probleme mit der Bildung? Klar, Bildungsoffensive. Irgendwie unklare Probleme? Kein Thema: Innovationsoffensive.

So viel Offensive nutzt sich ab, WM, EM und Olympiade sind inzwischen auch vorbei. Da muss was Neues her. Nun haben also Frau Merkels RedenschreiberInnen ganz frisch für die Festveranstaltung „60 Jahre Soziale Marktwirtschaft“ einen neuen Begriff erfunden: Die „Bildungsrepublik Deutschland“ (hier die Rede im Volltext):

Und so führen uns diese Überlegungen zu dem für Einstieg und Aufstieg aus meiner Sicht entscheidenden, dem zentralen Stichwort unserer Zeit: Bildung. Ich sage es in einem Satz: Wir müssen die Bildungsrepublik Deutschland werden. Das ist es, was unsere Zukunft für die nächsten Jahrzehnte sichert.

Bildungsrepublik Deutschland werden zu müssen sichert die Zukunft? Dann haben wir’s ja geschafft.  Im Bildungsrepublik-Werden-Müssen sind wir ziemlich gut.

Eine Politikerrede – eine Festrede besonders – muss von kunstvoller Dialektik geprägt sein, wie die einzige Aussage zum Zustand der Hochschulen demonstriert:

Unsere Hochschulen müssen Weltklasse sein und sie sind es zum Teil auch.

Hmm. Und was sagt uns das? Wenn sie es „zum Teil auch“ sind, braucht es keine Exzellenzinitiative, weil die besten ja schon Spitze sind.  Wenn alle es werden sollen, braucht es keine Exzellenzinitiative, denn die fördert ja nur Leuchttürme und nicht das Fundament im Ganzen (auf dem Papier soll sie das natürlich auch irgendwie so ein bisschen zumindest). Na gut, Schwamm drüber.

Prima zu wissen, dass wir ziemlich super sind:

Wir sind das Land der Ideen. Wir wollen das Land der Ideen bleiben und wir wollen, dass immer mehr Menschen mit exzellenten Ideen dazu beitragen können.

Jo! Ich will auch, dass alles so bleibt wie es ist und ein bisschen besser wird.

Aber nochmal zurück zur „Bildungsrepublik“. Was sollte das denn sein? Werden die Bundesländer abgeschafft und durch Schulen oder Bibliotheken ersetzt?

Kalauer beiseite, gemeint ist wohl: „eine Republik, die sich vor allem (und natürlich anderen) durch Bildung auszeichnet“. Ich bin mir fast sicher, dass bei UNO und IOC noch keine Anträge eingegangen sind, die offizielle Bezeichnung der Bundesrepublik Deutschland entsprechend zu ändern. Also klarer Fall – Symbolkommunikation:

Symbolkommunikation bezieht sich auf die Rolle der unsichtbaren, im gesellschaftlichen Umgang aber erfahrbaren Wertschätzung, welche Personen, Institutionen, Produkten und Leistungen anhaftet. Diese Wertschätzung ist ein sozial konstruierter Attribute-Raum, welcher die Dinge umgibt, über die wir kommunizieren, und es ist dieser Raum, welcher letztlich unsere Einstellung ihnen gegenüber bestimmt. Wir nennen diesen Raum symbolisch und wir nennen den Umgang mit ihm Symbolkommunikation.

Den sprachlich Interessierten führt das zu der Frage: Was für sprachlich-symbolhafte Attributzuweisungen haften unserer Republik denn noch so an? Fragen wir mal das Projekt Deutscher Wortschatz. Dessen Quellen sind zwar stark Print-Medien-lastig, was für Fragen zur Alltagssprache unrepräsentativ ist, aber politischer Journalismus ist dort bestens vertreten. Also fix nach „*republik“ gesucht. Die um Dopplungen, Rechtschreibfehler und geographische Bezeichnungen (Alpenrepublik, Kaukasus-Teilrepublik) bereinigte Trefferliste kennt 99 Republikentypen:

ABM-Republik
Adelsrepublik
Adenauer-Erhardt-Republik
Adenauer-Republik
Altbundesrepublik
Altenrepublik
Apartheid-Republik
Arbeitgeberrepublik
Armutsrepublik
Athosrepublik
Bakschisch-Republik
Bananenrepublik
Bauernrepublik
Beamtenrepublik
Betriebsräte-Republik
Bruderrepublik
Bundesrepublik
Bürgerrepublik
Canossarepublik
Chaos-Republik
Einwanderungsrepublik
Fernsehrepublik
Fußballrepublik
Fußgängerzonenrepublik
Förder-Republik
Gangsterrepublik
Gebühren-Republik
Geistesrepublik
Gelehrtenrepublik
Greisenrepublik
Gründerrepublik
Gute-Laune-Republik
Handball-Republik
Handelsrepublik
Hartz-IV-Republik
Hippie-Republik
Judenrepublik
Konfliktrepublik
Konsensrepublik
Krisenrepublik
Künstlerrepublik
Küstenrepublik
Lafontaine-Republik
Landwirtschaftsrepublik
Medienrepublik
Mini-Republik
Mittelmaßrepublik
Musterrepublik
Mönchsrepublik
Nachfolgerepublik
Nachkriegsrepublik
Nanorepublik
Negerrepublik
Neidrepublik
Pionierrepublik
Poprepublik
Praktikantenrepublik
Prominentenrepublik
Präsidialrepublik
Präventivrepublik
Pöbelrepublik
Rebellenrepublik
Rebenrepublik
Rest-Republik
Riesenrepublik
Rundum-Sorglos-Bundesrepublik
Räterepublik
Schmiergeldrepublik
Schrumpf-Republik
Schröder-Republik
Schwarzenrepublik
Seerepublik
Seniorenrepublik
Spaßrepublik
Spießerrepublik
Stadtrepublik
Start-Up-Republik
Subventionsrepublik
Sunni-Republik
Tele-Republik
Traumrepublik
Trümmer-Republik
Umerziehungsrepublik
Unionsrepublik
Unruherepublik
Untergrund-Republik
Untertanenrepublik
Verbraucherrepublik
Volksrepublik
WM-Republik
Weltbürgerrepublik
Weltrepublik
Westerwelle-Republik
Wirtschaftswunderbundesrepublik
Wohlfahrtsrepublik
Wohlstandsbundesrepublik
Zwergenrepublik
Zwergrepublik
Zwillingsrepublik

Sieh mal an! Ich finde: Es ist ein großer Spaß nachzusinnen, ob denn da im Einzelnen unsere gute alte BundesBildungsrepublik gemeint sein könnte. Und ich welchem zeitgeschichtlichen Zusammenhang. Jeder Einzelfall lässt sich mit Belegen beim Projekt Deutscher Wortschatz nachlesen. Und zumeist sieht man: Die negativ-sarkastisch aufgeladenen Begriffe verweisen gern auf Deutschland.

Woran liegt das nur?

Der orthographische Sprachwitz in der Raumfahrt

Den Standardkalauer rechtschriftlicher Verirrungen liefert üblicherweise die Fischbude nebenan. Oder der Touristik-Verband Westdeichersiel-Mitte. Nämlich mit „Ich will Meer!“. Oder auch (konsequenterweise Comic-Sans-verseuchte) Angebote wie dieses hier. Sowas bringt den fischigen Geruch des Abgestandenen in die Nasen Sprachbewusster.

Aber seien wir mal konstruktiv-vorbildlich: Einen erfrischend frischen orthographischen Sprachwitz habe ich vorhin bei Christian Ritter gefunden. Merci dafür!

Aus Tradition so tun als ob. Universitäre Selbstbehauptungen.

2004 war es noch Spaß. Da haben im Auftrag der ZEIT drei Werbeagenturen so getan, als ob deutsche Hochschulen so etwas wie Unternehmen seien. Die müssten sich dann ja auch mit werberischen Mitteln auf einem Markt behaupten. Und griffig sein. Heraus kam Putziges: Deutschlands härteste Denkschule für die Uni Witten/Herdecke, „Raus aus der Masse“ für die Uni Münster und „Kommt zusammen!“ für die FU Berlin.

Mittlerweile ist es Ernst.  Das Scholz&Friends-polierte Leuphana-Beispiel samt Video-Satire kennt natürlich mittlerweile jeder. Jetzt rüstet der Rest der Republik nach.

Hochschulen werden Marken. Eine ordentlich Marke braucht natürlich einen Claim. Ihr wisst schon: „Fielmann – mit den Zweiten sieht man besser“, „Opel – die tun was“, „Miele weiß, was Frauen wünschen“. Und so weiter. Eben etwas, das die Marke ins Gehirn brennt.

In den letzten Wochen sind mir gleich mehrere neuere und ältere Claims deutscher Hochschulen über den Weg gelaufen:

Universität zu Köln
Gute Ideen. Seit 1388.
(scheint bislang hauptsächlich in Stellenanzeigen verwendet zu werden)
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
wissen.leben
(mit drolligen Subclaims wie wissen.leben.campus, wissen.leben.sehen, wissen.leben.wir oder wissen.leben.award. Was steht dann wohl an den Toiletten?)
Universität Rostock
Oben angekommen.
(Hart an der Grenze zum Kalauer)
Universität Hamburg
Tor zur Welt der Wissenschaft.
(Sehr staatsmännisch und hanseatisch seriös. Aber langweilig.)
Universität Paderborn
Die Universität der Informationsgesellschaft.
(Ja, wenn die’s sagen… Aber weiß das auch die Informationsgesellschaft?)
WHU Otto Beisheim School of Management
Excellence in Management Education.
(Nichts anders hätte ich da erwartet.)
Universität Duisburg-Essen
Wissenschaft an Rhein und Ruhr.
(Sehr sinnig und irgendwie … treffend.)
Technische Universität München
TUM. Die unternehmerische Universität.
(Huch?! Warum das? Wer unternimmt denn da?)
Technische Universität Dresden
Wissen schafft Brücken.
(Auch kalauergefährdet. Und angesichts der Waldschlösschenbrücken-Sache nicht so richtig positiv besetzt.)
Universität Leipzig
Aus Tradition Grenzen überschreiten
(Find ich pfiffig. Aber eine schöne Story ist auch: KEine Geschichte mit Zukunft.)

Fazit: Kein klarer Trend auszumachen. Wortspielerische, regionale und blödsinnige Vorschläge halten sich irgendwie die Waage. Sicher gibt es aber noch einige mehr. Hat jemand Hinweise auf hier fehlende Hochschul-Claims?

Und was ist eigentlich mit unserer schönen Universität Osnabrück, die weder Claim noch schmückenden Namen hat? Vielleicht bodenständig-handfest „Die gelbe Uni mit dem roten Dach“? Oder lieber was Schwammiges Hintergründiges wie „Überraschend durchdacht“? Ein anderer, herrlich ehrlicher Vorschlag wurde ja leider schon früher abgelehnt.

Michaels Ballacks und Arnes Friedrichsa

Da hat sich doch gestern abend noch eine nette kleine Blueskneipe gefunden, in der es Fußball zu sehen gab. Und mal wieder: Die Eigenart der lettischen Sprache, beim Herumdeklinieren auch vor Namen nicht Halt zu machen, sorgt auch bei Fußballkommentaren für Schmunzler. Michaels Ballacks hat also das 3:1 geschossen und ich habe nur verhalten gejubelt, weil ich der einzige Deutsche weit und breit war.

Amüsant am Rande: Meine Blogstatistik hat mir verraten, dass heute nacht um 2:38 jemand bei Google nach „Rechtslage Autokorsi“ gesucht hat. Und bei mir gelandet ist. Man kann sich jedenfalls ungefähr vorstellen, was der Grund für diese Suchanfrage war 😉