Microsoft Word ist state oft the art

In den vergangenen Wochen ist mir ein Rechtschreibfehler gleich mehrfach und in verschiedenen Texten aufgefallen: Vom „state oft the art“ war die Rede (statt: „state of the art„). In einem dieser Texte hat der Fehler mehrere Korrekturzyklen überlebt und somit die Frage aufgeworfen: Wo kommt der her, der Fehler und warum geht er nicht wieder weg?

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Es gibt wieder gelbe Säcke in Stormarn

Über einen so betitelten Link bin ich gerade in meiner höchsteigenen del.icio.us-Liste gestolpert. Jetzt frage ich mich: Warum zum Geier wollte ich mir das merken? Als lokalere Variante zu „in China ist ein Sack Reis umgefallen“? (Keine schlechte Variante, finde ich – werde ich mal an kompetenten Deutsch-Muttersprachlern erproben.)

Aber als ich dann dem Link gefolgt bin, fiel es mir wieder ein:

Arbeitsgemeinschaft Abfalltransporte Leichtverpackungen

Ein orthographisches Monstrum, eine bürokratische Drohung. Denn es ist kaum anzunehmen, dass die Arbeit der Arbeitsgemeinschaftenden darin besteht, persönlich Leichtverpackungen abzutransportieren. Für Storman allerdings eine gute Sache. Denn die Meldung ist über 4 Jahre alt und anschließend sind offensichtlich keine weiteren Gelbe-Sack-Versorgungs-Unregelmäßigkeiten im Landkreis Storman aufgetreten. Gut gemacht, Arbeitsgemeinschaft Abfalltransporte Leichtverpackungen (AAL??).

Von Siebenzwergen und gelben Seitenverlagen

Vielleicht ist das gelb zu grell und die Werbetexter haben nicht gemerkt, wann der Kopf unkontrolliert auf die Leertaste knallt. Oder das orthographische Zentrum im Hirn war vom Debilenquizerfinden schon dollarzeichentrunken durchweicht? Man weiß es nicht… Das Ergebnis jedenfalls springt uns derzeit überall in dieser Form entgegen:

Gelbeseiten und Siebenzwerge

Ausbildungstandart bei Duetschen Diplom

Gerade zufällig im heise-Forum gelesen:

Ich sitzte als Studentischer Vertreter im Ausschuss für den Übergang
Diplom –> zu Bachelor/Master.

Die Deutsche Wirtschaft will das Master System nicht. Ausländische
Firmen wissen seit Jahrzenten was ein Duetschen Diplom ist und
welchen Ausbildungsstandart man damit erwarten darf.

Andere Länder, andere Namen

Morgen früh geht’s ab nach Riga. Heute wollt ich nochmal schauen, was es da abends vielleicht Spannendes zu sehen gibt. Und bin auf das hier gestoßen:

screenshot-4.png

Schön zu sehen, dass andere Länder viel weniger Hemmungen haben, Fremdlautendes auch orthographisch zu integrieren.

Leider bin ich dann schon wieder weg. Und 200 Lats latze ich für Hose Karreras bestimmt auch nicht.

Fachsprachen und minzige Steine

Eines der wirklich aufregenden Dinge am Mitmach-Web ist, dass mehr oder weniger plötzlich jeder öffentliche Texte produzieren kann. Und es viele auch dann tun, wenn Ihnen die höheren Weihen der korrekten, wahren und anerkannt guten Sprachverwendung fehlen. So kommen ganz neue Fachsprachen ans Licht und ich finde: Das liest sich sehr authentisch, sehr „nah am Menschen“ und darum spannend.

Wie bei allen Fachsprachen wirken die Aussagen dekontextualisiert allerdings etwas merkwürdig:

„der spielspaß ist durch die abwerfbaren Bomben und den beiden Raketen an den seiten enorm hoch“

„Das es einen Platz zur Aufbewahrung des Blaster gibt, finde ich persönlich wirklich gut, denn es ist sicherlich nicht nur bei mir geschehen, dass die Waffe aus dem Fahrzeug gefallen ist.“

„denn er wankt ein bisschen und so sieht es eher unreal aus als ich zb.. einen Droiden zerdrücken wollte fiel er leider um“

„Im Imperial AT-ST könnten 2 Rebellen sitzen. Damit es mehr Spaß gibt.“

„Ich finde dieses Produkt gut vor allem da es ausgezeichnet für große Schlachten geeignet ist .“

Aber schnell wird klar, worum es geht, oder?

„Der Sternenzerstörer ist wirklich gut gelungen. Aber beim Looping öffnen sich die Klappen und der Kommandoturm stürzt ab. „

„Der Sternzrstörer ist recht unstabiel. Er ist alerdings sehr gut ausgestattet.“

„der Naboo Starfighter kann nicht landen,da geht bei mir immer der Raketenwerfer los.Dasselbe passiert,wenn der Vulture einen salto macht.“

„Die Detail getreuheit ist wirklich perfekt, denn die Hüllen der Y-Wings wurden von den Technikern der Rebellen angeschraubt, da man sie bei Reperaturen sonst viel zu oft auf und abschrauben hätte müssen“

Manchmal klingt es auch etwas nach Zen:

„Für alle die meinen dass die Frisur von Anakin aus Gummi ist das stimmt nicht, sie ist wie fast alle anderen.“

Logik kann sein, muss aber nicht:

„Als ich den gesehen hab, dachte ich mir, wenn das Teil 50€ kostet, dann kauf ich’s mir!!! Leider war dem nicht so und deshalb hab‘ ich mir nur einen gekauft“

Erkannt? Klar doch:

„und die Platten am Rand sind auch nicht gerade stabil daher sie durch ein^nen minzigen Legostein verbunden sind“

Eben. Der Star-Wars-Lego-Shop und die dazugehörigen Produktkommentare. Dank an Frank für den Hinweis!

Und zum Schluss ein prima Rat, der unter jedem Produktreview stehen sollte:

„Naja wenn mann will kann mann es sich kaufen aber wers nich unbedignt will der sollte es auch nicht kaufen!!“

Hollo-Bollo, Günstlinge, Schalenrücken und viel, viel Hollandaise

Die unvermeidlich in den Briefkasten trudelnden Flugis vom Pizza-Bringdienst lese ich immer besonders gern. Wo sonst lassen sich
so viele kreative und exotische Vorstellungen von Rechtschreibung, Grammatik, Schriftgestaltung, ästhetisch vertretbaren Farbverläufen und nicht zuletzt den Grenzen des kulinarisch Zulässigen und Möglichen auf engstem Raum bewundern? Heute lagen gleich drei im Kasten.

Amigo Grill

Dem aktuellen Thema „EM“ Tribut zollend versucht sich der Amigo Grill grammatisch verwirrt an etwas namens „Günstlinge das Spar-Extra für Gruppenbesteller“:

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Den Bindestrich setzen die Flugi-Autoren vom Amigo Grill gern willkürlich in graphisch interessantem Wechsel mit Leerzeichen ein, wie die „Frei Haus-Lieferung“ beweist:

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Ansonsten bietet der Amigo Grill alles, was sich irgendwie in einen Topf, Wok, Ofen oder Pizzalieferwagen quetschen lässt. Pizza, Nudeln, Gyros, „Gefüllte Fladenbrot“, „Amerikas Food“, Indisch, fischig, und „Landstraße„. Klar! Wer lässt sich nicht gern das gute alte deutsche Truckermenu „Omelette Funghi“ in einer Pappbox liefern? Meine Pizza-Favoriten sind jedenfalls:

70b Calzone Asiatisch, 26 cm
Hackfleisch, Zwiebeln, Broccoli, Hollandaisesauce, Tomaten, Peperoni, Schafskäse

60a Aloa, 32 cm
Tomaten, Käse, Zwiebeln, Champignons, Hollandaisesauce

46aOrange, 32 cm
Tomaten, Käse, Schinken, Broccoli, Sauce Hollandaise

Asiatisch? Hollandaise? Schafskäse? Aloa? Orange? Egal. Kommt alles bestimmt gut an und heißt doch so schön.

Pizzeria Toscana

Hollandaise scheint mittlerweile Quasi-Standard auf Pizzen geworden zu sein. Mir ist das fremd. Aber ich bin sicher auch kein Maßstab. Beim Flugi-Newcomer „Pizzeria Toscana“ bin ich heute erstmals auf die „Pizza Hollo-Bollo“ (Google kennt die schon erschreckende 9 mal!) zwischen anderen Hollandaise-VerbrechenSpezialitäten aufmerksam geworden:

pizza3_hollobollo.jpg

Darüber hinaus bietet „Toscana“ Klassisches. „Pizza Pizza“ (scharf!), „Pizza Gyros“ und „Pizza Gyros Spezial“ (mit Hollandaise), „Pizza Hollandaise“ (ohne Gyros) und „Pizza il Europe“ (mit klassisch Europäischem wie Mais, Thunfisch und Hollandaise) und als Krönung „Calzone Gyros Spezial“ mit „Gyros, Zwiebeln und Hollo“. Selbstverständlich bekommt man unter der Nummer P140. die Portion Hollandaise für 1€ auch ohne lästige Pizza.

Pizza Paradiso

Bleibt noch „Pizza Paradiso“ mit dem wundervollen Claim „LECKERES WIE IM PARADIES-AUCH BEI IHNEN.“ Da lohnt sich ein genauer Blick – aber der ist auch notwendig, wie die mutige Kontrastgestaltung zeigt:

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In Sachen Hollandaise hat das Pizza-Paradies noch Nachholbedarf, es ist nur die „Calzone Paradiso mit Gyros, Brokkoli, Schinken, Pilze, Paprika, Hollandaise“ im Angebot. Außerdem gibt es noch die üblichen Groß-Klein-Schreib-Rätsel, lustige Leerzeichen und natürlich Schalenrücken:

pizza5_gks.jpg

Alleinstellungsmerkmal von „Pizza Paradiso“ ist allerdings „Abendbrot – Mittags geöffnet“. Ich denk da spontan an den Bauarbeiter, der das gut durgezogene Leberwurstbrot vom Vortag entdeckt. Aber sehen Sie selbst:

pizza6_abendbrot.jpg

Eleganter Blödsinn Einstellung Mediaplayer Dialog

Früher war Winamp das Tool, um unter Windows Mp3s und andere Klangdateien abzuspielen. Heute gibt es ganz viele Mediaplayer und um sich überhaupt noch zu unterscheiden, haben sich alle bis an die Zähne mit gigantischen Featurearsenalen bewaffnet. Mein Ideal eines Mediaplayers ist ja immer noch der gute alte Plattenspieler, der auch so was wunderbar Haptisches hatte. Vor allem hatte er keine drölfmillionen Knöpfe und kam schon gar nicht auf die Idee, die Plattensammlung mit in seine Obhut nehmen zu müssen, damit ich leichter, schneller und besser suchen könne.

Zur Ordnung meiner Mp3-Sammlung nutze ich das Dateisystem. Da kann ich Ordner anlegen, die Dateien sinnvoll benennen und alles ist prima. Ein paar Mediaplayergimmicks hätte ich allerdings doch ganz gern. Z.B. automagisch hinzugesuchte Infos und Links aus dem Internet, sinnlose aber amüsante Statistikfunktionen und so weiter. Mit keinem der verbreiteten Player war ich so richtig zufrieden.

Foobar2000 ist wirklich toll, aber doch etwas spartanisch. iTunes ist bääh, denn ich verstehe das Ding einfach nicht. Außerdem übersehe ich vor lauter Gedöns immer die Play-, Pause- und Skip-Knöpfe. aTunes hat mir gefallen, weil es diese tolle Sicht auf meine Festplatte mitgebracht hat, die mir genau die Ordnung zugänglich macht, die ich mir selbst ausgedacht habe. Aber: Es stürzt unter Windows reproduzierbar ab und vergisst dann alles, was es je indiziert und gezählt hat. Den VLC media player nutze ich für Videos, für Musik ist mir die Playlistenverwaltung zu anstrengend.

Also habe ich mich nach Jahren der Abstinenz mal wieder Winamp zugewandt. Es ist ein Monster geworden! Außerdem träge und voller wirrer Spieloptionen. Das mussten auch die überforderten Übersetzer einsehen und lieferten konsequenterweise diesen Dialog ab:

neue_elegante_ansicht.jpg

Gemeint sind wahrscheinlich »Smart views« und für »smart« liefert leo immerhin ja auch »elegant« als ersten Übersetzungsvorschlag. Damit lassen sich – sehr flexibel und mittel boolscher Operatoren mächtig mächtig – eigene Sichten auf die Medienbibliothek definieren. Zum Beispiel: »Gib mir mit einem Klick alle Jazz-Stücke aus den Dreißigerjahren, die ich in den letzten 72 Stunden mehr als ein mal gehört habe.« Das kann mein Plattenspieler nicht. Aber bei dem sehe ich immerhin, welche Platten noch warm vom letzten Hören auf dem Stapel neben ihm liegen.

Vielleicht bin ich ja einfach nur altmodisch. Schließlich verstehe ich nichtmal Winamps Unterscheidung zwischen klassischem und modernem Scrollen:

modernes_scrollen.jpg

Demnächst wird es wohl wieder Foobar2000. Tolles Ding! Es spielt einfach Musik ab.

Freudsche Performanz-Kompetenz, oder: Spotte nur, wer mit dem Duden aus dem Glashaus wirft

Spotten ist ja so einfach! Meine Blog-Kategorie »Außergewöhnliche Rechtschreibleistungen« sammelt mehr oder weniger kreative rechtschriftliche Normabweichungen und mein scharfer Adlerblick bleibt fast überall hängen, wo ein Komma verrückt, ein Leerzeichen zu viel ist oder eine Pizzaria Pizzeria gleich neben dem groben Orthoschnitzer den Namen »Triumph« aushängt.

Heute blieb mein Blick mal in der Nähe hängen und zwar bei meinem eigenen Blog. Oh Schreck! Seit Monaten prangte da Folgendes in der Blogroll:

blogroll_mit_rechtschreibfe1.jpg

Sorry, Tim! Dein spannendes Lehre-Blog zum Thema »Medien, Bildung und Gesellschaft« ist natürlich nicht mit Absicht verballhornt worden. Chomsky unterscheidet, sprachwissenschaftlich betrachtet, zwischen Kompetenz und Performanz. Analog lässt sich, z.B. bei Rechtschreibfehlern, zwischen Kompetenzfehlern und Performanzfehlern differenzieren. Oder anders gesagt: »Es nicht besser wissen« oder »es grad nicht besser hinkriegen«. Mein Fehler fällt wohl in die letztere Kategorie. Jetzt hab ich’s besser hingekriegt und erledige den Spott hier gleich mit.

Aber gerade da es um Tim geht: Man könnte argwöhnen, höhnen oder einfach nur mutmaßen, dass der Typo etwas mit einem Herrn Freud zu tun hätte. Das weise ich aber entschieden von mir. Total!