Was leistet eigentlich Plagiatserkennungssoftware und was nicht?

Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten sind derzeit ein Thema, das so öffentlich wie noch nie diskutiert wird. Insgesamt verstoßen alle Fälle gegen die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens, bei denen fremde Texte und Textteile in eine als Eigenleistung ausgegebene Arbeit übernommen und nicht hinreichend gekennzeichnet werden. An deutschen Hochschulen wird dieses Problem für studentische Studien- und Abschlussarbeiten in den vergangenen Jahren zunehmend als Problem wahrgenommen.

Insbesondere mit Verbreitung des Internets und elektronischer Dokumente als Quellen leicht zu aufzufindender und zu kopierender Informationen wird es handwerklich besonders einfach, zu plagiieren. An Hochschulen im angloamerikanischen Raum ist eine routinemäßige Überprüfung der (verpflichtend auch elektronisch einzureichenden) studentischen Arbeiten durch spezialisierte Softwarelösungen üblich. In Deutschland implementieren zahlreiche Hochschulen in den letzten Jahren ebenfalls derartige Lösungen, bzw. streben den Einsatz von Plagiatserkennungssoftware an. Doch was können solche Softwarelösungen überhaupt leisten?

Die angebotenen Softwarelösungen werden eigentlich zu Unrecht als „Plagiatserkennungssoftware“ bezeichnet. Ob eine Arbeit ganz oder in Teilen plagiiert ist, ist auf jeden Fall eine vom Korrektor individuell vorzunehmende Bewertung. Die Software kann lediglich Hinweise liefern, welche Teile der Arbeit wortgleich oder -ähnlich auch an anderer Stelle aufgefunden werden können. Ob z.B. die plagiatsverdächtigen Stellen in wissenschaftlich korrekter Weise als Zitate mit Quellenangabe gekennzeichnet wurden, erkennt die Software nicht.

Darüber hinaus berücksichtigen die derzeit verfügbaren Lösungen vor allem über das Internet öffentlich recherchierbare Quellen, nehmen dem Korrektor also im wesentlichen die Arbeit ab, verdächtige Stellen mittels einer Suchmaschine wie etwa Google zu überprüfen. Elektronische Zeitschriften, für die spezielle Lizenzverträge abgeschlossen werden müssen, werden in der Regel nicht berücksichtigt. Einige Softwarelösungen bieten die Möglichkeit, an der Institution vorhandene Dokumente in die Vergleichsdatenbank zu importieren und alle bereits geprüften Dokumente bei späteren Prüfungen zu berücksichtigen. Alle nicht digital vorliegenden Quellen können selbstverständlich nicht zur Überprüfung herangezogen werden.

Die folgende Tabelle veranschaulicht anhand einiger typischer Beispiele, bei welchen Fällen von Plagiarismus der Einsatz von Plagiatserkennungssoftware erfolgreich sein kann:

Szenario Erkennbar Nicht erkennbar Eingeschränkt
erkennbar
Vollständige Übernahme im Internet frei zugänglicher Studienarbeiten X
Übernahme ganzer Sätze oder Absätze aus im Internet frei verfügbaren Quellen X
Übernahme aus gedruckten Quellen z.B. wenn über Google Books erfasst
Umformulierung übernommener Quellen in engen Grenzen
Übersetzung übernommener Quellen X
Übernahme aus nicht veröffentlichten Quellen, z.B. eingereichten Arbeiten früherer Jahrgänge wenn in Vergleichsdatenbank aufgenommen
Nichtvorliegen eines Plagiats bei Verwendung korrekt belegter Zitate X

Weitere Informationen zum Thema findet man bei der besten deutschen Anlaufstelle zum Thema wissenschaftliche Plagiate: http://plagiat.htw-berlin.de/.

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