Neues Filial-Blog: Stud.IP little things

Hier im Hauptblog ist derzeit nichts los. Es gibt aber ein neues Filial-Blog, das für die E-Learning-Interessierten und den mehr oder minder zufälligen Besuchenden von Interesse sein könnte:

Stud.IP little things – Tobias Thelen persönliche Randnotizen zu Stud.IP, E-Learning und Campus-Management

Ab sofort zu finden unter: http://studip.tobiasthelen.de.

 

 

2046

2046

2004. Regie: Wong Kar Wai, Kamera: Christopher Doyle, Darsteller: Tony Leung Chiu Wai, Li Gong, Ziyi Zhang, Faye Wong.

Die Sehnsucht heißt Herr Chow. Oder Su Li Zhen. Aber das war ein anderer Film. Oder doch nicht? „2046“ ist die Fortsetzung von Wong Kar Wais „In the mood for love“ (2000). Zugleich aber auch nicht.

Die filmischen Mittel, die „In the mood for love“ so einzigartig gemacht haben, finden sich auch hier wieder. Die warmen Braun-, Grün- und Gelbtöne, die Geschlossenheit des Raumes, hervorgerufen durch Nahaufnahmen; Objekte, die das Sichtfeld beschränken, fehlende Köpfe und Gesichter. Und natürlich die Zeitlupen, zumeist von gehenden Menschen. Auch im Soundtrack findet sich Vertrautes wieder: melancholische Streicherarrangements, sanfte Latinorhythmen und erneut ein Main Theme von Shigeru Umebayashi mit hohem Wiedererkennungswert. Viele Bildmotive kehren zurück: eine Lampe im Regen, ein auf die Schulter gelehnter Kopf im Taxi, flüchtige Blicke im Vorbeigehen, extravagante Kostüme.

Beide erzählen von unerfüllter Liebe, machen die Auslassung zum wesentlichen Element der Erzählung und rücken Kamera und Musik als gleichberechtigte narrative Akteure neben Dialog und Schauspiel. Beide Filme deuten das zentrale Motiv der Erzählung nur an, die Liebe zwischen Chow Mo Wan und Su Li Zhen. Damit wird der Weg frei für eine viel umfassendere Deutung als Filme über die Liebe schlechthin, Begegnungen und falsche Zeitpunkte.

Beide erzählen die gleiche Geschichte, aber gänzlich anders. 2046 verknüpft zwei nichtlinear dargestellte Handlungsebenen: das Hongkong der späten 60er Jahre und 2046. Diese Zahl ist der Schlüssel zum Film.

2046 ist die Nummer des Hotelzimmers aus „In the mood for love“. Jetzt zieht Herr Chow (Tony Leung Chiu Wai) in ein anderes Hotel in Zimmer 2047 – 2046 wird gerade renoviert und beherbergt nacheinander die drei Frauen, die die abwesenden Su Li Zhens (!) in Herrn Chows Leben umkreisen.

Die Klammer um die Hongkong-Ebene bildet eine neue Su Li Zhen (Li Gong), eine professionelle Spielerin in schwarz, die über ihre Vergangenheit nicht sprechen kann und nur scheinbar ein Ersatz für die alte Su Li Zhen (Maggy Cheung) sein könnte. Dazwischen, miteinander verwoben, drei Geschichten über geglückt-gescheiterte Begegnungen und Herrn Chows wechselne Gesichter der Sehnsucht. Aus dem Verzweifelten wird ein bittersüß skrupelloser Frauenheld, der nicht davor zurückschreckt, mindestens eine Frau (Ziyi Zhang) zu verletzen, tief tief zu verletzen. Jeder Versuch, die Vergangenheit abzustreifen, misslingt und auch der möglichen neuen Liebe zur Tochter des Wirtes (Faye Wong) ist kein Glück beschieden, weil es einmal mehr der falsche Zeitpunkt ist. So sitzt Herr Chow letztendlich allein im Taxi.

Ästhetisch von diesem Erzählstrang völlig entkoppelt ist 2046, die Traumwelt eines Romans, den Herr Chow schreibt. 2046 ist eine Jahreszahl, ein Setting, das futuristische Bilder eines Zuges ermöglicht, in dem das alter ego Herrn Chows von 2046 zurückreist. 2046 ist ein Ort, der sich niemals verändert. Ein Ort, an den Menschen reisen, um ihre Erinnerungen wiederzufinden. Noch niemand ist von dort zurückgekehrt, nur der Protagonist versucht es und verliebt sich auf der quälend langen Reise in einen Androiden (ebenfalls Faye Wong) mit verlangsamten Reaktionen. Behauptet der Erzähler aus dem Off anfangs noch, er habe es als einziger geschafft zurückzukehren, so sehen wir ihn doch nie ankommen.

Beide Ebenen verbinden sich spätestens beim zweiten Sehen des Films zu einer atemberaubenden Erzählung der gleichen Geschichte auf zwei gänzlich unterschiedliche Weisen. So verwundert es dann nicht, dass es Wong Kar Wai mühelos gelingt, eine dritte Ebene einzuflechten. Zwei sekundenkurze Einspielungen dokumentarischen Materials aus dem Hongkong der 60er verankern das Geschehen politisch und 2046 markiert den Endpunkt – das Jahr, an dem der Sonderstatus Hongkongs in China endgültig endet.

Der Film ist ein ästhetisches Fest, formal schon fast übercodiert, der die Kunst, etwas Unbeschreibbares durch Auslassung und Umkreisung doch deutlich sichtbar zu machen, perfektioniert. Es geht um Sehnsucht und die Sehnsucht heißt Herr Chow und Wong Kar Wai und sein Kameramann Christopher Doyle machen sie greifbar.

Was Leute am sechsundzwanzigsten November Zweitausendunddreizehn nicht interessiert

Ich interessiere mich nicht für Geld.
Ich interessiere mich nicht für Kunst.
Ich interessiere mich nicht für Politik.
Ich interessiere mich nicht für Frauenfußball.
Ich interessiere mich nicht für Helden.
Ich interessiere mich nicht für Arschlöcher.
Ich interessiere mich nicht für Mode.
Ich interessiere mich nicht für die Vergangenheit.
Ich interessiere mich nicht für das Liebesleben von Menschen, die ich nicht kenne.
Ich interessiere mich nicht für Konventionen.
Ich interessiere mich nicht für den Eurovision Song Contest.
Ich interessiere mich nicht für Andere.
Ich interessiere mich nicht für Gott.
Ich interessiere mich nicht für ein sauberes, lesbares Abbild.
Ich interessiere mich nicht für das Leben, sondern umgekehrt, ich lebe dann – wenn ich mich interessiere.
Ich interessiere mich nicht für den kosmetischen Effekt von Mode.
Ich interessiere mich nicht für Mädchen (wie denn auch?).
Ich interessiere mich nicht für diese Pseudopromis, die von der BILD erst hoch-, dann runtergeschrieben werden.
Ich interessiere mich nicht für Sehenswürdigkeiten.
Ich interessiere mich nicht für die Postmoderne.
Ich interessiere mich nicht für den alten Gegensatz von Avantgarde und Rückzug.
Ich interessiere mich nicht für das, was genau in diesem Moment gefragt ist.
Ich interessiere mich nicht für mich selbst.
Ich interessiere mich nicht für Autos, sie sollen mich von A nach B fahren.
Ich interessiere mich nicht für Katzen.
Ich interessiere mich nicht für dieses nervende etwas.
Ich interessiere mich nicht für das Schlechte und auch nicht für das Gute.
Ich interessiere mich nicht für das „wieso“.
Ich interessiere mich nicht für die Vision einer Hardware.
Ich interessiere mich nicht für Parteipolitik, sondern für Demokratie.
Ich interessiere mich nicht für Häuser, sondern für Menschen und die Gesellschaft.
Ich interessiere mich nicht für finanzielle Notsituationen.
Ich interessiere mich nicht für Kooperationen mit Unternehmen, jedenfalls nicht in dem Sinn, in dem es hier gemeint ist.
Ich interessiere mich nicht für Softwareentwicklung.
Ich interessiere mich nicht für das Thema.

Fazit der Zukunftswerkstatt „E-Learning und Diversity 2020“

„Wie müssen E-Learning und E-Learning-Dienste entwickelt werden, um den zukünftigen Anforderungen einer zunehmend vielfältiger werdenden Studierendenschaft gerecht zu werden?“ Für diese Fragestellung wollten wir mit einer Zukunftswerkstatt Antworten und Lösungsansätze generieren. Sehen und hören Sie hier das zusammenfassende Fazit am Ende der Werkstatt.

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Was leistet eigentlich Plagiatserkennungssoftware und was nicht?

Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten sind derzeit ein Thema, das so öffentlich wie noch nie diskutiert wird. Insgesamt verstoßen alle Fälle gegen die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens, bei denen fremde Texte und Textteile in eine als Eigenleistung ausgegebene Arbeit übernommen und nicht hinreichend gekennzeichnet werden. An deutschen Hochschulen wird dieses Problem für studentische Studien- und Abschlussarbeiten in den vergangenen Jahren zunehmend als Problem wahrgenommen.

Insbesondere mit Verbreitung des Internets und elektronischer Dokumente als Quellen leicht zu aufzufindender und zu kopierender Informationen wird es handwerklich besonders einfach, zu plagiieren. An Hochschulen im angloamerikanischen Raum ist eine routinemäßige Überprüfung der (verpflichtend auch elektronisch einzureichenden) studentischen Arbeiten durch spezialisierte Softwarelösungen üblich. In Deutschland implementieren zahlreiche Hochschulen in den letzten Jahren ebenfalls derartige Lösungen, bzw. streben den Einsatz von Plagiatserkennungssoftware an. Doch was können solche Softwarelösungen überhaupt leisten? Weiterlesen

Was sich am 4. März 2011 alles erledigt hat

Faschingsmaske
Einwendung
die Sache
Zahnriemenwechsel
Gesetz über Zustellungsdauer
Qualitätsoffensive
der Fall Guttenberg
Ebaymäher
das Problem
die Frage nach dem Ja oder Nein des Klimawandels
die Sache mit dem Ruckeln
der Zweck des Pflichtangebotes
Alle Erfindung
der Anlass Ihrer PK
Obiges
unser Clubquest
Twisted Evil Very Happy
die Suchanfrage

(Ergebnisse einer Google-Suche nach „* hat sich erledigt“ am 4.3.11)

E-Learning – zur Pathogenese eines ungeliebten Begriffs

So richtig überzeugt und gern spricht niemand von E-Learning. Zu sehr ist damit die Vorstellung verbunden, automatisches Lehren und automatisches Lernen gleichgeschaltet zu verkoppeln und das Seelenlose zum pädagogischen Prinzip zu erheben. Der alte Menschheitstraum dahinter: Das Lernen mühelos machen. Die Urangst dahinter: Den Lernenden zu bevormunden und zur Unselbständigkeit zu erziehen. Damit sind wir schon beim Nürnberger Trichter, der wohl wichtigsten Allegorie des E-Learnings. Auch in aktuellen Darstellungen ist diese sehr alte, reduzierende Verquickung von großen Hoffnungen und großen Ängsten immer wieder zu finden.

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Microsoft Word ist state oft the art

In den vergangenen Wochen ist mir ein Rechtschreibfehler gleich mehrfach und in verschiedenen Texten aufgefallen: Vom „state oft the art“ war die Rede (statt: „state of the art„). In einem dieser Texte hat der Fehler mehrere Korrekturzyklen überlebt und somit die Frage aufgeworfen: Wo kommt der her, der Fehler und warum geht er nicht wieder weg?

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Island-Tagebuch 3: Arnarstapi – Est-ce qu’il y a un chemin?

26. Juni 2004

Morgens wache ich schon wieder von prasselndem Regen auf, entscheide prompt, noch etwas länger liegen zu bleiben und im Reiseführer nachzulesen, wohin die Reise denn nun gehen könnte. Norden ist klar, unklar jedoch die Frage, ob die Halbinsel Snæfellsjökull einen Abstecher lohnt, und wie weit ich überhaupt fahren will an diesem Tag. In der Hoffnung auf nachlassenden Regen gibt es dann erst einmal ein ausgiebiges Frühstück und campingplatzkollektives Wundern über Griechenlands Viertelfinalsieg bei der EM. Gegen 10 Uhr wird es freundlicher, das Zelt ist schnell verpackt und auf geht’s Richtung Mosfellsbær. Weiterlesen